Gedanken zur allgemeinen Impfpflicht
Kolumne

Montag, 10. Januar 2022

Viele Nachrichten mit Argumenten für und gegen die Einführung einer allgemeinen Corona-Impfpflicht erreichen mich derzeit. Auch mich beschäftigt dieses Thema, weil wir im Bundestag über einen solch tiefgreifenden Gesetzesentwurf entscheiden werden.
Wie viele andere habe auch ich mich lange Zeit gegen eine allgemeine Impfpflicht ausgesprochen und mit den Informationen die mir damals vorlagen, stehe ich zu meinen damaligen Äußerungen.
Leider hat sich die Impfbereitschaft nicht so entwickelt, wie prognostiziert. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse erfordern zudem eine höhere Impfquote.
Die zu niedrige Impfbereitschaft hatte drastische Auswirkungen in der 4. Welle. Hauptsächlich Ungeimpfte erkranken schwer und sorgen für eine Überlastung auf den Intensivstationen.
Als Konsequenz mussten Regelungen und Beschränkungen für alle wieder verschärft werden, um unser Gesundheitssystem und uns zu schützen.
All das, obwohl mehrere gute und sichere Impfstoffe zur Verfügung stehen, die wirksam gegen schwere Covid-Verläufe schützen.
Mir persönlich fällt die Abwägung nicht leicht, da ich im Sommer eine Position vertrat, die ich nun in einem Lernprozess aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und einer fortwährend dynamischen Corona-Lage hinterfrage. Ich finde es gut, dass im Bundestag in den nächsten Wochen ausführlich darüber debattiert wird. Aus meiner Sicht sind hier noch einige Fragen, insbesondere zur Umsetzung, zum Impfregister und zur zeitlichen Dauer offen.
Wenn der medizinische Eingriff in Form einer Impfung einen größeren gesellschaftlichen Nutzen hat, als fortwährende Einschränkungen durch Corona-Maßnahmen, dann halte ich eine allgemeine Impfpflicht inzwischen für vertretbar.