Woher kommen die hohen Kraftstoffpreise?
Kolumne

Montag, 21. März 2022

Auf Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die europäische Staatengemeinschaft mit weitreichenden Sanktionen reagiert. Diese haben auch Folgen für Deutschland. Besonders die stark ansteigenden Kraftstoffpreise machen sich bei Unternehmen und Privathaushalten bemerkbar. Als Volkswirt beobachte ich die Preisentwicklungen diverser Märkte besonders aufmerksam.
Der Ölpreis ist in Krisenzeiten besonders volatil und hat durch den Krieg in der Ukraine ein zwischenzeitliches Hoch von 125€/Barrel erreicht. Obwohl der Ölpreis mittlerweile wieder unter 100€/Barrel liegt, stagnieren die Kraftstoffpreise an den Tankstellen auf hohem Niveau. Diese spekulativen Preise erhöhen vor allem die Gewinnmargen der Mineralölkonzerne. Ein Tankzuschuss, wie von Bundesfinanzminister Christian Lindner vorgeschlagen, ist nicht zielgerichtet und würde hauptsächlich jene Mineralölkonzerne subventionieren. Die Oligopolsituation am deutschen Kraftstoffmarkt ist seit langem strukturelles Marktversagen, welches die Politik lösen muss. So bedarf es einer präzisen Prüfung des Kartellamts, ob die Preise für Kraftstoffe derzeit künstlich hochgehalten werden. Es gibt auf dem Weltmarkt genügend Alternativen, um noch in diesem Jahr unabhängig von russischem Öl zu werden.

Komplizierter wird die Sache beim Gas. Hier fehlen Deutschland die nötige Infrastruktur - z.B. Flüssiggasterminals an den Seehäfen - sowie strengere Gasspeicherrichtlinien. Die Bundesregierung hat dazu in der letzten Woche weitere Schritte auf den Weg gebracht. Kurzfristig werden die Verbraucher durch eine Erhöhung des Heizkostenzuschusses sowie rückwirkende Erhöhungen der Pendlerpauschale und des Grundfreibetrags entlastet.

Es erfordert einige Anstrengungen, unabhängig von russischen Energielieferungen zu werden. Aber diese sind es wert, angesichts der schrecklichen Entwicklungen in der Ukraine.